Presseveröffentlichung „Asiatische Hornisse“
Asiatische Hornisse kein Problem von Hobbyimkern
Landrat Carsten Braun und das Regierungspräsidium Gießen setzen sichtbare Zeichen gegen die Asiatische Hornisse
Engagement des Lahn-Dill-Kreises und des RP Gießen zeigen: Die Bekämpfung der Vespa velutina ist eine öffentliche Aufgabe
Der Lahn-Dill-Kreis und das Regierungspräsidium Gießen gehören zu den positiven Beispielen im Umgang mit der Asiatischen Hornisse. Während vielerorts staatliche Zurückhaltung wahrgenommen wird, haben Landrat Carsten Braun und der Lahn-Dill-Kreis das Thema sichtbar aufgegriffen. Der Kreis weist gemeinsam mit dem Imkerverein Wetzlar öffentlich auf die zunehmende Verbreitung der Asiatischen Hornisse hin; die invasive Art wurde im Lahn-Dill-Kreis erstmals 2023 nachgewiesen und breitet sich seitdem aus. (Lahn-Dill-Kreis)
Auch das Regierungspräsidium Gießen hat sich früh mit der Art befasst: Bereits 2023 informierten RP Gießen und Lahn-Dill-Kreis gemeinsam über den ersten Nachweis der Asiatischen Hornisse im Lahn-Dill-Kreis. Zudem unterstützt das Regierungspräsidium die Öffentlichkeitsarbeit rund um die Erkennung und Meldung der Vespa velutina. (rp-gießen.hessen.de)
Besonders hervorzuheben ist die Unterstützung der Plakataktion „Hessen sucht die Velutina“, die vom Regierungspräsidium Gießen unterstützt, finanziert und genehmigt wurde. Damit zeigen der Lahn-Dill-Kreis und das RP Gießen, dass staatliches Handeln möglich ist — und dass Aufklärung, Meldestrukturen und Sensibilisierung der Bevölkerung wichtige Bausteine im Umgang mit dieser invasiven Art sind.
Die eigentliche Dimension des Problems
Ein aktueller Artikel der WELT mit dem Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Imkerverbands, Thomas Hock, über die Asiatische Hornisse macht deutlich, dass die Vespa velutina nicht nur ein Problem einzelner Imkerinnen und Imker ist. Sie ist eine invasive Art mit erheblichen Folgen für Honigbienen, Wildbestäuber, Biodiversität, Landwirtschaft und Ernährungssicherheit.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein der Verlust von Honigbienen. Die Asiatische Hornisse jagt vor Bienenständen, fängt heimkehrende Bienen ab und verwertet sie als Eiweißquelle für ihre Brut. Doch sie ernährt sich nicht ausschließlich von Honigbienen. Ein Velutina-Volk frisst im Laufe der Saison bis zu 12. tsd Insekten — darunter auch Wildbienen, Fliegen, Wespen und andere bestäubende Insekten.
Damit betrifft die Ausbreitung der Vespa velutina unmittelbar den Naturhaushalt. Bestäuberinsekten sind für die Stabilität von Ökosystemen unverzichtbar. Nach Angaben des Weltbiodiversitätsrats IPBES hängen rund 75 Prozent der weltweit angebauten Nahrungspflanzenarten zumindest teilweise von tierischer Bestäubung ab; außerdem sind nahezu 90 Prozent der wildblühenden Pflanzenarten zumindest teilweise auf tierische Bestäubung angewiesen. (IPBES)
Belgien als Warnsignal
Besonders alarmierend ist der Blick nach Belgien. Dort sollen in stark betroffenen Regionen rund 30 Prozent der Imker wegen des hohen Drucks durch die Vespa velutina aufgegeben haben. Diese Entwicklung zeigt, was passieren kann, wenn die Bekämpfung einer invasiven Art nicht konsequent organisiert, finanziert und als öffentliche Aufgabe verstanden wird.
Wenn Imkerinnen und Imker mit der Nestersuche, Meldung, Organisation und Bekämpfung weitgehend alleingelassen werden, wird ein gesamtgesellschaftliches Problem auf eine einzelne Gruppe abgewälzt. Dabei tragen gerade die Imker nicht die Verantwortung für die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse. Sie sind vielmehr diejenigen, die die Folgen als Erste und besonders deutlich spüren.
Stellungnahme
Die Asiatische Hornisse ist kein Hobbyproblem der Imkerschaft. Sie ist ein Problem des Arten- und Naturschutzes, der Landwirtschaft und der Ernährungssicherheit. Wer ihre Bekämpfung allein den Imkerinnen und Imkern überlässt, verwechselt diejenigen, die die Folgen zuerst sehen, mit denen, die für eine wirksame Lösung Verantwortung übernehmen müssten.
Der Staat darf sich aus dieser Aufgabe nicht zurückziehen. Die konsequente Erfassung, Lokalisierung und Beseitigung von Velutina-Nestern muss öffentlich organisiert und finanziert werden. Jedes nicht beseitigte Nest bedeutet zusätzlichen Druck auf Honigbienen, Wildbestäuber und andere Insekten — und zugleich die Gefahr, dass im Folgejahr zahlreiche neue Königinnen weitere Nester gründen.
Gerade deshalb verdienen der Lahn-Dill-Kreis mit Landrat Carsten Braun und das Regierungspräsidium Gießen ausdrückliche Anerkennung. Ihr Engagement zeigt, dass staatliche Stellen handeln können, wenn sie das Problem ernst nehmen. Diese Beispiele stechen positiv hervor und unterscheiden sich deutlich von der sonst vielfach wahrnehmbaren staatlichen Zurückhaltung.
Die Lehre ist klar: Die Bekämpfung der Vespa velutina darf nicht privatisiert und nicht allein auf Ehrenamtliche abgewälzt werden. Sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es geht um den Schutz unserer Bestäuber, um Biodiversität, um Landwirtschaft und letztlich um die Ernährungssicherheit der Bevölkerung.
Der Lahn-Dill-Kreis und das Regierungspräsidium Gießen zeigen, wie verantwortliches Handeln aussehen kann. Dieses Beispiel sollte Schule machen.
Thomas Poetsch
Vorsitzender
Kreisimkerverein Mittelhessen e.V.
mit den Ortsvereinen:
Dünsberg, Ehringshausen, Hüttenberg, Leun, Gießen und Wetzlar
Niederwetzerstr. 4
35641 Schöffengrund-Oberwetz
01577 415 34 07 od. 06445 92 32 621

